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1945 bis heute

Vereinsgeschichte nach der Neugründung 1949

Nach dem 2. Weltkrieg kam das Schützenwesen praktisch zum Erliegen. Wie aber aus der Vergangenheit ersichtlich, waren nach Kriegsereignissen die Schützen kurze Zeit danach „immer wieder da" — so auch jetzt! Die Holzmindener Schützenvereine fanden sich wieder.
Die Bürgerschützengesellschaft unterstand der Kontrolle der Militärregierung. Das Vereinsvermögen, insbesondere das Schützenhaus wurde durch diese verwaltet. Die Schützenbrüder Landwirt Wilhelm Timmermann sen., Schlachtermeister Wilhelm Meyer und Landwirt Ludwig Jacob sen. beantragten am 02. September 1947 die Genehmigung zur Wiederzulassung der Schützengesellschaft in Holzminden und verhandelten um Ersatz für das abhanden gekommene bzw. beschlagnahmte Vereinsvermögen. Auch von den vereinseigenen Zelteinrichtungen war vieles in den ersten Nachkriegsjahren verloren gegangen.

Am 12.01.1949 fand in der Deckerschen Gastwirtschaft die Neugründung statt. Der Vorstand wurde gebildet durch Wilhelm Timmermann, Wilhelm Meyer, Kassierer Ludwig Jacob und Schriftführer August Kumlehn (Bleiche). Noch im gleichen Monat wurde die Neugründung durch ein Wintervergnügen in der Reichskrone gefeiert.

Das Scheibenschießen war noch untersagt; die Gewehre waren von der Militärregierung eingezogen.

W. Timmermann sen. trat aus Altersgründen zurück. Sein Sohn Wilhelm Timmermann wurde zum Vorsitzenden gewählt. Das Vereinsvermögen wurde im Dezember 1949 mit der Maßgabe freigegeben, im Schützenhaus einen Städtischen Kindergarten einzurichten. Dieser bestand bis 1953.

Aber im Frühjahr 1950 gelang die Freigabe der Gewehre. Die englische Verwaltung erteilte die Genehmigung zur Abhaltung eines Schützenfestes. Der Weg war wieder frei; und es wurde wohl in der jemals kürzesten Zeit ein Fest organisiert.
Mitte Juni war das Programm mit den Einladungen herausgegangen und am 27. Juni wurde durch Rundschreiben die Einteilung und der Festablauf für Sonnabend, Sonntag und Montag, den 1., 2. und 3. Juli, und die Nachfeier am Sonntag, dem 9. Juli, den Vereinen und Betrieben gemeldet. Nach alten überlieferten Regeln wurde dieses Fest in Verantwortung der Bürgerschützengesellschaft durchgeführt.

Im Festzug waren fast 2000 Teilnehmer und über 23 Festwagen; davon allein elf verschiedene Innungswagen des Handwerks. Außer Vereinen, Post und Eisenbahn waren die Firmen mit Festwagen und Gruppen von Firmenangehörigen mit ihrer Geschäftsleitung beteiligt. Es war praktisch eine Demonstration der Holzmindener Vereinstätigkeit sowie des industriebetrieblichen, handwerklichen und kaufmännischen Lebens der Stadt. Ein echtes Holzmindener Volksfest mit vielen tausend Zuschauern!


 
Die Bürgerschützengesellschaft im Jahre 1950 vor dem Strandhotel

Nach dem Kriegsende wuchs die Kreisstadt auf 24 000 Einwohner. Durch das Fest von 1950 bekamen die Schützen einen erheblichen Aufschwung. Die Neubürger wurden in den Vereinen als gern gesehene Gäste und kameradschaftliche Mitglieder aufgenommen. Außerdem gründeten sich zusätzlich neue Vereine: Im Jahr 1953 der Verein „Altendorfer Schützen e. V.“, vorwiegend aus Bürgern des Stadtteils Altendorf und zwei Jahre später der „Sport-Schützenclub von 1955 e. V.“, teils aus verheirateten Schützenbrüdern des Vereins „Junger Schützen“. Aus dem Landwehrverein Holzminden wurden die Landwehrschützen von 1877 und 1982 folgte die Gründung des Holzmindener Sport Schützenverein.

1953 wurde der Städtischen Kindergarten zum Hafendamm verlegt und das Schützenhaus musste umgebaut werden. Dazu wurden zwei Grundstücke der Bürgerschützengesellschaft auf dem Hainanger verkauft. Es musste ein Darlehn aufgenommen werden und jedes Mitglied erwarb Anteilscheine von 25,- DM. Viele Nebenarbeiten wurden durch die Schützenbrüder erbracht. Die Eröffnung fand am 23.05.1953 statt. Erster Schützenhauswirt war Herr Walter Allerkamp.

Bereits vor Jahrzehnten war, wie es damals genannt wurde, das Frauen-Schießen beliebt und sogar ein königlicher Sport. In den letzten Jahren ist es wieder sehr populär geworden, so daß jetzt auch in mehreren Holzmindener Vereinen Damenschützen-Gruppen gegründet wurden.

In den Jahren 1953 und 1955 fanden der Zeit entsprechend und im Ablauf vereinfachte Schützenfeste statt. Die bis dahin acht Tage später abgehaltene Nachfeier wurde bereits ab 1953 fortgelassen.

Prolog zum Schützen- und Heimatfest vom 2. bis 4. Juli 1955:

Laiwe Schützen, laiwe Gäste,
eck begruiße jöck tau`n Schützenfeste,
dat in auser schönen Weserstadt
sau aale Traditionen hat.
De Honrationen aut`en Kreise un de Stadt
begruiß' eck besonders mi en frah Vivat.
De Landrat, Bürgermester un ühre Här'n
seih't wei bei ösch schon ümmer gärn.
Besonderer Grauß sall auk dä gebühren,
dä ühre Heimat durch den Kreig verlüren,
un dä saun mi ösch in gleiken Sinne
Bürger sind von ause laiwen Stadt Holzminne.
Sau ault ause Schüttenhoff an Jahren,
sau lang' deit hei dä Tradition bewahren,
dat hei ümmer is ewest,
ein einig gratet Bürgerfest.
Man was tausahmen frah un dull,
von Bier und Sluck wohl auk mal full.
Et wärt seck sogar vergnügt vertellt,
dat ne date Großmudder in'n Keller wurt estellt.
Un huite, in ause hillen Teit,
wu de Welt sau snell seck dreit,
wu de Minschheit Tempo aller dücht,
mi'en Düsenflaiger over'n Globus flügt,
wu sei seck, — wärt dat gar tau dulle,
krigtse mie Atome in de Wulle,
da Tatet heier ösch tausammen finnen
un up de gaue ale Teit besinnen,
wu ause Großöldern un dä davor würen,
up'n Schüttenhoff dat Danzbein bühren.
Lat' ösch feiern, danzen un sein fidel,
dat is gaut fort Harte, Leiw un Seel.
Sau wünschet wei jöck un ösch dat Best
for ause dütjöhrje Schüttenfest.

R. Teiwes

Auf Veranlassung der übrigen Holzmindener Schützenvereine, die eine direkte Mitwirkung bei der Gestaltung des Holzmindener Schützenfeste wünschten, wurde, um die Gemeinsamkeit zu erhalten, im Jahre 1957 die Arbeitsgemeinschaft der Holzmindener Schützenvereine gebildet, die durch die jeweiligen Vereinsvorsitzenden vertreten werden und zur Vorbereitung eines Schützenfestes einen Arbeitsausschuss einsetzt. Der Arbeitsgemeinschaft obliegt die Durchführung und Verantwortung der Schützenfeste in Holzminden, die damit praktisch auf alle Vereine verteilt wird. Der Arbeitsgemeinschaft gehören im Jahr 2008 10 Holzmindener Schützenvereine an.

Im Oktober 1958 wurde erstmals ein Vereinsmeister in der Bürgerschützengesellschaft ausgeschossen.

Die Zelte der Bürgerschützengesellschaft waren nicht mehr zu vermieten. Am 21.06.1961 wurde beschlossen, die Zelte an Mitglieder zu verkaufen.
Das Grundstück der Bürgerschützengesellschaft „Im Regelfelde“ wurde an die Stadt Holzminden verkauft und dafür der Gastraum des Schützenhauses durch einen Anbau vergrößert, der im Juni 1965 fertiggestellt wurde.

Am 29.05.1967 traten zwanzig Schützenschwestern der auf der Jahreshauptversammlung 1967 beschlossenen Damengruppe bei.
Im Jahr 2007 hatte unsere Damengruppe 46 Mitglieder.

Die 300-Jahr-Feier wurde 1968 mit großem Aufwand gefeiert. Der Rat der Stadt gab am 28.06.1968 einen Empfang im Clubhaussaal des Rathauses. Die Gestaltung des Festkommerses beim Schützenfest lag in den Händen der Bürgerschützengesellschaft. Die Schützenbrüder Paul Reese und Kuno Mahnkopf gestalteten ein Festbuch.

Eine besondere Jubiläumsfeier fand am 26.10.1968 im Strandhotel statt, wo unter anderem die Schützenschwestern mit humorvoller Ansprache ein Tischbanner überreichten.


 
Bürgerschützengesellschaft von 1668 e.V. im Jahre 1968

Die Bürgerschützengesellschaft hatte 1969 58 Mitglieder, 10 Ehrenmitglieder und 6 passive Mitglieder.

Im Jahre 1972 vollzog sich ein Generationswechsel im Vorstand und in der Generalität. Otto Künnecke wurde zum ersten Vorsitzenden und Schützengeneral gewählt. Zweiter Vorsitzender wurde Arthur Markworth. Im geschäftsführenden Vorstand trugen neben dem ersten und dem zweiten Vorsitzenden der Schriftführer Wilhelm Heistermann und der Schatzmeister Erich Hauschild Verantwortung für die Bürgerschützengesellschaft.

1972 wurde zudem das Schützenhaus unter großem finanziellen Aufwand modernisiert und ausgebaut. Der Kleinkaliberstand wurde auf sechs Bahnen erweitert und ein Luftgewehrstand mit sechs Bahnen gebaut.

Auf Wunsch einiger Schützenbrüder wurde im Jahr 1975 die Jugendguppe der Bürgerschützengesellschaft gegründet.

In den folgenden Jahren wurden Partnerschaftliche Verbindungen mit den Offizieren vom Holzmindener Panzerpionierbataillon 1 und der 3.Kompanie der Schützengilde Höxter von 1595 ins leben gerufen.

1992 umfaßte die Bürgerschützengesellschaft
77 Mitglieder,
3 passive Mitglieder,
7 Ehrenmitglieder und
eine Jugendgruppe mit 12 Jugendlichen.

Die verantwortliche Führung des Vereins lag beim geschäftsführenden Vorstand Otto Künnecke, Arthur Markworth, Dr. Bernd Schröter und Gerhard Kumlehn.


 
 Die Bürgerschützengesellschaft von 1668 e.V. im Jahre 1999 in der Stadthalle

Weitere Höhepunkte im Vereinsleben der Bürgerschützengesellschaft

1995 - 750 Jahrfeier der Stadt Holzminden mit großen Historischen Umzug.

2003 - Schützengeneral und Vorsitzender Otto Künnecke wird Bürgerkönig der Stadt Holzminden

2004 - Tag der Niedersachsen in Holzminden

2006 wurde ein neuer Geschäftsführender Vorstand gewählt:
1. Vorsitzender Gerhard Kumlehn
2. Vorsitzender Dr. Bernd Schröter
Schriftführer Jürgen Daul
Schatzmeister Friedrich Schütte

Im Jahr 2006 beschloss die Generalversammlung der Bürgerschützengesellschaft nach langer Diskussion die Vorstandsarbeit und die berittenen Chargen zu trennen. Damit änderte sich die jahrhundert alte Tradition das der Vorstand der Bürgerschützengesellschaft als berittene Generalität den Schützenfestumzug anführt.
Wer Tradition bewahren will muß sich neuen Gegebenheiten anpassen können.
Bereits das Schützenfest 2007 hat gezeigt das hier eine gute Lösung gefunden wurde.

Nicht nur die Tradition, auch der Schießsport wird in der Bürgerschützengesellschaft gepflegt. Seit Jahrhunderten hat die Bürgerschützengesellschaft als älteste Vereinigung der Stadt das Wohl der Stadt gefördert und das Weh der Stadt mitgetragen. Die heutigen Aktivitäten der Bürgerschützengesellschaft gehen mit der intensiven Kontaktpflege zu den Offizieren des Panzerpionierbataillons 1 Holzminden, der Gestaltung des Winterschützenballs in der Stadthalle und sonstiger gesellschaftlicher Veranstaltungen nebst aktiver Pflege der Tradition weit über den Schießsport hinaus, obwohl auch dieser durch die Unterhaltung und den Ausbau des Schießsportzentrums an der Steinbreite mit großen persönlichen und finanziellen Opfern gefördert wird. Der Zeit entsprechend wurden im Jahr 2008 vier Bahnen des Kleinkaliberstands auf elektronische Auswertung umgestellt.
Die Teilnahme an Königsschießen, Rundenwettkämpfen, Vergleich und Freundschaftsschiessen mit befreundeten Vereinen auch über die Grenzen unseres Landkreises hinweg finden regelmäßig statt.

Im Jahr 2008 gehörten der Holzmindener Bürgerschützengesellschaft von 1668
80 aktive Mitglieder,
8 passive Mitglieder,
9 Ehrenmitglieder und
eine aktive Jugendgruppe an.

Alle Holzmindener Schützen schöpfen aus ihrer Tradition die Kraft, in der Zukunft für ihre Stadt Holzminden zu wirken.

Quellen:
Dr. Bernd Schröter - "325 Jahre Holzmindener Schützenwesen" ©1993

Bernd Meyer - Überarbeitung von 2008