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Historie 1900-1945


 Die Bürgerschützengesellschaft im Jahre 1900

Im Jahre 1913 übernahm die Uniformierte Erste Bürgerschützenkompanie die Gestaltung der Jahrhundert-Feier zur Erinnerung an den siegreichen Abschluß des Befreiungskrieges von 1813. Der Höhepunkt dieser großen patriotischen Feier und Kundgebung war der Festzug mit zahlreicher Beteiligung aller Holzmindener und auswärtiger Vereine. Es ist darauf wieder die gute Gemeinschaft der Vereine und die Zusammenarbeit mit Holzmindens Nachbarorten ersichtlich.

Der Herzog zu Braunschweig und Lüneburg Ernst August, in diesem Jahre jungvermählt mit Victoria-Luise, geborene Prinzessin von Preußen, stiftete der Uniformierten Ersten Bürgerschützenkompanie einen Schießpreis von 100 Goldmark

Der Weltkrieg 1914 bis 1918 wirkte sich auch für das Schützenwesen ungünstig aus. Aber trotzdem fanden sich nunmehr in dem Demokratischen Freistaat Braunschweig die Schützenvereine verhältnismäßig schnell wieder zu einer Neuordnung. Bereits am 17., 18., 19. und 25. Juli 1921 fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung (Holzminden hatte etwa 12 000 Einwohner) ein Schützenfest statt. Am ersten Sonntag waren 2375 Festteilnehmer in den Festzelten. Insgesamt wurden an vier Festtagen 6360 Eintrittskarten verabfolgt. Holzmindens seinerzeitiger Bürgermeister Albert Jeep, ein Sohn des Holzmindener Superintendenten, hat die Aufrechterhaltung des Schützenwesens in jeder Weise gefördert.

Wie andere Städte, so sah sich auch Holzminden veranlaßt, 1922 eigene Banknoten.
(Notgeld) zur Behebung des Geldmangels herauszubringen. Die Stadtverwaltung kam auf die originelle Idee, eine Serie Eine-Mark-Banknoten mit vier Bildern des Holzmindener Schützenfestes herauszugeben.


Notgeld - Zapfenstreich
 
 
Notgeld - Ausmarsch
 
 
Notgeld - Fahnenschwenken
 
 
Notgeld - Schützenkönig

In den Jahren 1922/23 nahm die Geldentwertung immer mehr zu. Im Jahr 1923 hatte die Inflation den Höchststand erreicht. Ein Schützenfest fand in diesem Jahr nicht statt. Die dann 1924 eingetretene Stabilisierung des Geldes ermöglichte wieder die Abhaltung eines Schützenfestes im Juli des Jahres.
Ein großer Gönner der Bürgerschützen war jahrelang der Ehrenbürger seiner Heimatstadt Holzminden, Commerzienrat Albert Katzenstein aus Berlin.


 
Der Vorstand der Bürgerschützengesellschaft mit Commerzienrat Albert Katzenstein nebst Tochter

Das Schützenwesen verzeichnete in den zwanziger Jahren wieder einen Aufschwung. Dieser Trend führte zu der Gründung des Schützenclubs Einigkeit von 1924.


 Die Bürgerschützengesellschaft mit Commerzienrat Albert Katzenstein im Jahre 1926

In den Jahren 1934, 1937 und 1939 fanden Schützenfeste unter dem nationalsozialistischen Regime statt; die Organisation und Abrechnung lag bei der Bürgerschützengesellschaft. Die Durchführung der Feste war wie bisher üblich, nur daß weniger Vereine und dafür SA- und SS-Gruppen im Festzug marschierten. Die Schützenuniform wurde weiter getragen. Es wurde wohl eine Lenkung versucht, aber keine direkte Auflösung oder Gleichschaltung erfolgte, obwohl auf Anordnung des Schützenbundes die alten Satzungen geändert werden mußten „soweit sie dem Führerprinzip entgegenstanden".
1934 wurde der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen geschaffen, dem sämtliche Schützenvereine durch den Schießsportverband angeschlossen werden mußten. Der Deutsche Schützenbund verschwand nach 75jährigem Bestehen, nachdem er 1934 zusammen mit dem Deutschen Kartell für Sportschießen zum Deutschen Schießsport-Verband zusammengelegt worden war. Aber dieser Schießsport-Verband wurde umgewandelt in den Deutschen Schützenverband 1936. Im Jahr 1934 erfolgte bereits die Ausgabe von Schießbüchern. Der Schießunterricht wurde für die Schützen bis zum 35. Lebensjahr obligatorisch.
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939 bis 1945) erfolgte. Der Schießbetrieb wurde, soweit als möglich, aufrechterhalten und der Scheibenstand hauptsächlich von anderen Organisationen benutzt. Holzminden erlitt im April 1945 eine Teilzerstörung und die Zerstörung der Weserbrücke.
Das Schützenhaus und der Scheibenstand blieben erhalten. Der Ausgang des Krieges und die Kriegsnachfolgezeit waren weit ernster als nach dem Kriegsjahr 1918. Besatzungsmächte, amerikanische und anschließend englische Truppen mit Verwaltung, besetzten Land und Stadt. Not und Elend — wohin man blickte. Dazu kam 1946 der große Strom der Ausgewiesenen und Flüchtlinge aus den uns entrissenen deutschen Ostgebieten, vor allem aus Schlesien, die in unser Weserland und in die Stadt von der Besatzungsmacht eingewiesen wurden. Von rund 14 000 Einwohnern wuchs die Stadt auf 24 000 an, sie wurde eingegliedert in das neugebildete Land Niedersachsen, im westlichen Teil des Deutschlands.

 

 1945 - heute