OK Diese Webseite verwendet Cookies. Weitere Details finden Sie in der Datenschutzerklärung unter Cookies. Wenn Sie diese Webseite nutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. Mehr Infos zum Datenschutz
Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, klicken Sie bitte HIER. Sie werden dann zu Google geleitet.

Historie

Fahne und Fähnrichsamt

Der Ursprung der Fahne geht bis in die Zeit der trojanischen Kriege um 2000 bis 3000 vor Chr. zurück. Kein geringerer als Palamedes, der Erfinder der Schlachtordnung im trojanischen Krieg, hat den Truppen und Wachen die ersten Fahnen gegeben, um sie besser zu erkennen. Die Fahne, von den Ahnen SIGNUM BELL! Kriegszeichen genannt, sollte auch den Streitern im Feld Herz und Mut geben.
Bei den germanischen Völkern, besonders bei den Langobarden, war es Sitte, die Kampfscharen mit einem Kennzeichen zu versehen, das aus Stoff-oder Hautstreifen bestand und das BANDA genannt wurde (gotisch = bandaja, spätere Form BANDUS, noch später Fahne).

In der Urzeit  der Geschichte stellte die Fahne auch ein Mittel gegen bösen Einfluss der gegnerischen Streitkräfte dar, sie besaß auch rituelle Funktion. Wandernde Stämme verwendeten Fahnentücher als Ersatz der Statuen der Hausgötter, deren Mitschleppen zu umständlich war.

Seit der Zeit des- zweiten Kreuzzuges ,um 1147 haben wappengeschmückte Fahnen zur Kennzeichnung einzelner Heeresteile große Bedeutung gefunden. Nach Einführung des Christentums erschien die Fahne immer öfters während der zivilen und militärischen Zeremonien.

Im 12. Jahrhundert erschienen die ersten farbigen Tücher mit auffallendem Aussehen auf den Fahnen des Adels, der Gemeinden, der militärischen Scharen, der Kunst- und Handwerksgilden und der Stadtteile. Im späteren Mittelalter gab die Überreichung der Blutsfahne, einer eintuchigen Fahne aus scharlachrotem Stoff, dem Lehnsherren das Recht, über Leben und Tod seiner Untertanen zu verfügen. .

Von Anfang an übernahmen Fahnen in Kriegszeiten eine Ordnungsfunktion. Fähnrich und Fahne waren Anführer in der Schlacht und gewährleisteten es, taktische Bewegungen in Ordnung auszuführen. Sie waren Symbol 'des Sieges. Solange der Fähnrich seine Fahne schwenkend führte, folgte ihm die Truppe. Fielen Fähnrich und Fahne, suchte jeder durch Flucht sein Leben zu retten.

Fahnen galten als vornehmste Kriegsbeute, ihr Gewinn bedeutete die Vernichtung des Gegners. Der Fähnrich war somit Anführer der Truppe, wenn auch nicht der Oberste im Kommando. Dem entspricht auch die Wertschätzung des Fähnrichsamtes. Der Fähnrich rechnete zu den Oberoffizieren. Er bekam doppelte Beute. Seine Besoldung betrug das Sechsfache der des Gemeinen Knechtes.

Der Fähnrich aber konnte seine Aufgabe, Hüter der Fahne und Anführer des Fähnleins zu sein, nicht ohne die Bereitschaft und Mitwirkung seiner Knechte erfüllen. Er sollte und musste sich bei seinen Knechten beliebt machen, auf daß sie ihm willig folgten und bei Gefahr zu ihm standen. Er musste für sich und seine Fahne um Vertrauen werben.

Das Fahnenschwenken stand somit im engen Zusammenhang mit der Funktion der Fahne und der Aufgabe des Fähnrichs. Er musste einerseits bestrebt sein, während des Lagerlebens durch unterhaltendes Spiel die Gunst seiner Knechte zu erwerben, andererseits sie durch aufmunterndes, ermutigendes Schwingen auf den Kampf vorzubereiten. Das Fahnenschwenken und das Fähnrichsamt konnte beides sowohl zu Ernst als auch zu Lust gebraucht werden. Mit Recht wurde das Vertrauen und die Zuversicht der Knechte in ihren Fähnrich gestärkt, wenn er als ihr Repräsentant seine Kunst auch nach außen zeigen konnte. Es förderte sein Selbstvertrauen und gab ihm die Möglichkeit, sein Fähnlein sicher zu führen., Fähnrich und Fahne standen somit in Zusammenhang mit der Schlagkraft der Truppe.

Ursprung des Fahnenschwenkens

Der Ursprung unseres Fahnenschwenkens liegt noch im Dunkeln und es wird kaum möglich sein, das genaue Alter dieser Kunst sicher nachzuweisen. Bekannt ist,. daß dieses edle Spiel schon im frühen Mittelalter gepflegt wurde und allmählich eine große Breitenentwicklung erfuhr. Im Zeitalter der Söldnerheere kam diese schöne Kunst zur vollen Entfaltung und gelangte zu hohem Ansehen. Das Fahnenschwingen wurde selbst an königlichen Höfen gefördert und gepflegt und galt neben dem Fechten als manierliches soldatisches Spiel.

Es wurden ausführliche Fahnenschulen geschrieben und mit prachtvollen Kupferstichen ausgestattet, um das Schwingen der Fahne nach einheitlichen Regeln und genau umschriebenen Formeln zu verankern. Die Fahnenbüchlein des 17. Jahrhunderts von Johann Renner und Sebastian Heussler, die um 1619 gedruckt wurden, geben Anweisungen "wie die Fahnen mit sonderlichen Vorteil, leicht und gering und zierlich getragen und geschwungen werden sollen". Anderen Autoren, wie PASCHA (1657), FLACH (1661) und KLEITE (1679) erscheint das Fahnenschwingen als eine ausgeprägte Kunstform, sie bedienen sich einer eigenen Fachsprache. Sie kennen darüber hinaus Benennungen für ganze Bewegungsabläufe.

Wie sehr von diesen Fahnenmeistern selber das Fahnenschwingen als ausgebildete Kunstform empfunden wurde, zeigt der ausdrückliche Rat, nicht auf eine gute Ausbildung zu verzichten. Sie loben das Fahnenschwenken als ein heroisches und nützliches Werk, das mit viel "grazia" vorgetragen werden soll. Die vielen Hinweise auf verbindliche Verpflichtungen in der Ausführung der Fahnenkunst haben zum großen Teil heute noch volle Berechtigung.

Hinweise über das mögliche Alter des Fahnenschwenkens kann man auch von der veränderten Fahnentuchgröße und der Fahnenstocklänge erfahren. Da man ursprünglich bestrebt war, die Fahne hoch und sichtbar zu zeigen, waren dafür Lanzen und lange Stangen geeignet. Das Fahnentuch war vor 1500, im Vergleich zu späteren Zeiten, recht klein.
Im 16. Jahrhundert nahmen die Ausmaße der Fahnentücher rasch zu. Da aber das Fahnenschwingen um so eindrucksvoller wirkt, je größer die Fahne ist, kann dies ein Hinweis sein, daß am Beginn des 16. Jahrhundert die Entstehung dieser Kunst liegt. Alte Holzschnitte und Wandgemälde zeigen auch, daß das Schwenken mit kurzgriffigen Fahnen ausgeführt wurde.

Kunstvolle Bewegungen lassen sich nur mit dafür geeigneten Fahnen ausführen. Fahnen, die an einem Querholz aufgehängt sind, eignen sich ebenso wenig, wie solche an langen Stangen und Lanzen.
Das Stockende einer Schwingfahne unterhalb der Hand darf höchstens so lang sein, daß es zwischen Hand und Oberarm durchgedreht werden kann. Schwingfahnen haben also einen kurzen Griff und werden gleich unterhalb des Tuchs gefasst. Um das immer noch vorhandene Übergewicht des Tuches abzubauen, wird heute fast überall und wurde auch früher schon das Stockende mit Blei gefüllt und dadurch der Schwerpunkt etwa an die Stelle des Tuchansatzes verlagert.

Wie in den Fahnenbüchlein des 17. Jahrhunderts belegt ist, werden auch schon im 16. Jahrhundert auf Darstellungen von Schlachten und Landsknechtzügen oder Einzelbildern von Fähnrichen Fahnen mit kurzem Griff abgebildet (Fähnrich von Köln 1554).
Beachtung finden auch Gemälde von AACHENS zur Schlacht von Worringen 1582 im Städtischen Museum Köln und Abbildungen von Holzschnitten im WAPPENBUCH DES HEILIGEN REICHS DEUTSCHER NATION, 1545 in Frankfurt erschienen. Wir finden hier, wie auch bei den alten Meistem ALBRECHT DÜRER, HANS BURGKMAIR d.Ä, und ALBRECHT ALTDORFER, daß Fußknechte mit Beginn des 16. Jahrhunderts kurzgriffige Fahnen mit sich führen.

Letztendlich belegt doch das Erscheinen der kurzgriffigen Fahnen, deren Träger über mehrere Jahrzehnte nur Landsknechte waren, und die Tatsache, daß sie sich innerhalb weniger Jahre in weiten, gerade von kriegerischen Geschehen berührten Räumen verbreiteten, daß Landsknechte die kunstvolle Form des Fahnenschwingens entwickelten.

Entwicklung und Verbreitung unseres heutigen Fahnenschwenkens

Das kriegerisch ruhige Zeitalter nach der französischen Revolution bewirkte für das stolze Spiel mit der Fahne einen ungeahnten Stillstand und Rückgang, nachdem es seinen Siegeszug durch ganz Europa in einer Jahrhunderte überdauernden Zeitspanne behauptet hatte. Den strengen soldatischen Regeln entsprechend durfte das Fahnenschwingen nur von bewährten Bannerherren und edlen Fahnenjunkern dargeboten werden. Durch den Rückgang des Reislaufens und die Einkehr in ein geordnetes Bürgertum gab es immer weniger Schüler, die diese schöne Kunst erlernten. Das Fahnenschwingen wurde immer seltener gezeigt und drohte langsam in der Vergessenheit zu versinken. Glücklicherweise entstanden aber aus der jahrhundertealten Überlieferung des stolzen Fahnenspiels da und dort sinnvolle, bodenständige Volksbräuche, die sich jeweils den vorhandenen Verhältnissen anpassten und sich den sesshaften Gepflogenheiten und Sitten einfügten. Das Fahnenschwingen, früher nur von militärischen Organisationen ausgeführt, wurde nun von zivilen Schwenkern, also von Mitgliedern der Gilden und Vereine übernommen und neu belebt. Langsam entwickelte sich daraus eine schöne, heimatgebundene Eigenart; so auch in den Tälern der Urschweiz.

Im allgemeinen wird das Fahnenschwingen als ein schweizerischer Nationalsport angesehen, denn dort hat es sich seit dem Beginn dieses Jahrhunderts von den Urkantonen über große Teile des Landes verbreitet. Ebenso gebräuchlich ist es in Italien, in Nord- und Südtirol, in den Niederlanden, im flämischen wie im wallonischen Belgien und auch besonders in Deutschland.
In den Alpentälern der Schweiz wurde das Fahnenschwenken sehr gepflegt und somit in alter Überlieferung rein erhalten. Mit dem Aufschwung des Fremdenverkehrs drohte ,.die Gefahr einer Weiterentwicklung und Verfremdung dieser Bräuche. In Sorge um die Reinerhaltung gründete man 1910 eine Jodlervereinigung, die dem Jodeln, dem Alphornblasen und dem Fahnenschwenken strenge Richtlinien an die Hand gaben. Dies war ein Grundstein für eine Erstarkung der Trachtenverbände mit dem Ziel einer Weiterentwicklung nach festem Reglement.
Wie in der Schweiz hat sich auch in Tirol in den. Alpentälern die Fahnenkunst erhalten. Schützengemeinschaften, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, übernahmen wahrscheinlich von Landsknechten diesen Brauch. Bemerkenswert ist heute besonders in Südtirol, daß sich die einzelnen Alpentäler zu den verschiedensten Anlässen in ihren Ortstrachten und mit unterschiedlichen, eigenen Fahnenbräuchen und Touren darbieten. Wie in den Alpentälern haben sich auch in anderen Gegenden Europas Fahnenbräuche erhalten, deren Ursprung nachweislich ebenfalls im mittelalterlichen soldatischen Fahnenspiel verankert ist. So hat sich in den holländischen Provinzen Noord Braband und Gelderland,. Maasland sowie in Belgien, besonders im flämischen Teil, das Fahnenschwingen stark entwickelt. Wie bei uns in Holzminden stellen sich dort die Aktiven mit einem gemeinsamen Fahnengruß vor, um anschließend nach genau festgelegten Regeln, im Einzel- wie im
Gruppenschwenken, ihr Können zu zeigen. Da ihre Fahnen am Griffende mit einer 5 kg schweren Kugel versehen ist, kennen sie ein "Hochwerfen" der Fahne nicht.   

Von Flandern aus wurde das Fahnenschwenken, wie viele andere alte Schützenbräuche, nach Deutschland gebracht. Im Rheinland sowie in der Eifel ist die Fahnenkunst heute noch sehr verbreitet; dagegen ist sie in Niedersachsen eigentlich nur in Holzminden. erhalten geblieben. In Westfalen und in Schleswig-Holstein (Elbmarschen u. Wilster) ist sie vereinzelt anzutreffen. Dresden, Eger und Iglau, ein Ort in der Steiermark, Salzburg, Traunstein, Landshut, München, Augsburg, Kaufbeuren, Ulm und Überlingen werden als Orte, genannt, wo bei bestimmten Anlässen Fahnen mehr oder weniger kunstvoll geschwungen werden oder wurden, teils nach alten Überlieferungen, teils als junge Bereicherung alten Brauches. Außerhalb des deutschen Kulturraumes ist Fahnenschwingen in Norditalien in der Toskana, wo Siena mit dem jährlichen Fahnenwettspiel hervortritt, und in einigen spanischen Provinzen bekannt. Dieser flüchtige Überblick belegt die außerordentliche Verbreitung des Fahnenschwingens. Die Tatsache, daß es im 18. Jahrhundert fast vergessen war und im 19. und 20. Jahrhundert gerade noch wieder belebt wurde zeigt, daß es sich dabei nur um Reste einer einst weit allgemeinen Tradition handelt.