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1500-1600

Holzmindener Bürgerschützen während der Hildesheimer Stiftsfehde

Herzog Heinrich der Jüngere (1514-1568) wurde fünf Jahre nach seinem Regierungsantritt in die schwere Hildesheimer Stiftsfehde verwickelt. Dieser Kleinkrieg verwüstete gleichermaßen Hildesheimer wie Braunschweigisches Gebiet. Hineingezogen in dieses Rauben, Brennen und Morden wurde 1519 auch die Stadt Holzminden, die mit Bevern, Amelungsborn und Stadtoldendorf auf der Seite ihres Herzogs standen, während Dassel und Hildesheim den Bischof unterstützten.

Kriege kosten Geld. So kam der Herzog in Zahlungsschwierigkeiten. Die Holzmindener halfen, nicht ohne auf ihren Vorteil bedacht gewesen zu sein. Herzog Heinrich der Jüngere bekennt für sich und seinen Bruder Wilhelm „Na Christi unsers Hern gebort 1519 am tage der heiligen drier kuninge", daß der Rat zu Holzminden zur Entledigung der Herzoglichen Schulden 2000 Rheinische Gulden auf sich genommen habe, ... und verspricht, die Stadt während dieser Zeit (20 Jahre) mit keinerlei Verschreibung zu beladen ... 2000 Gulden zu beschaffen, bedeutet für die Stadtkasse sicher eine zeitbedingte Leere, bringt aber für die nächsten 20 Jahre keine weiteren „Verschreibungen" - sprich Steuern -. Also ein gutes Geschäft für Holzminden!

In dieser Zeit der leeren Stadtkasse kam nun eine vielleicht nicht unwillkommene Gelegenheit, sich an einem Feldzuge zu beteiligen. 1519 herrschte ein zeitweiliger Waffenstillstand zwischen Braunschweig und Hildesheim, als bischöfliche Untertanen aus Dassel sich des Landfriedensbruches dadurch schuldig machten, daß sie einige Bauern in Bevern ausplünderten und alles mitnahmen, was man ihnen während der Fehde auch genommen hatte.

Nach dem Überfall auf Bevern organisierte der Junker von Bevern einen Vergeltungszug nach Dassel, nachdem er die Hilfe der Bürger von Holzminden und Stadtoldendorf zugesagt erhalten hatte.

Chronisten berichten über die Geschehnisse ausführlich: „ ... zogen die von Holzminden, Stadtoldendorf und der Junker von Bevern aus und kamen ganz grimmiglich gen Dassel, ehe sie sich dessen versehen hatten, und haben daselbst greulich getobt und alles, was sie damals eingeerntet, hinweggenommen ..."

Nachdem die Stadt erobert war, ließ man sich die Zeit, das Getreide auszudreschen, 100 Pferde, 180 Kühe und Rinder wurden weggetrieben, die Stadt zum größten Teil niedergebrannt.

Wer den Landfrieden brach, wurde nach damaliger Sitte sehr hart bestraft. Doch zur Ehre der damaligen Rächer sei vermerkt, daß sich nach Beendigung der Stiftsfehde die Städte Holzminden und Stadtoldendorf der armen ausgebrannten Leute von Dassel hilfreich angenommen haben.

Fehden leiten Untergang des Rittertums ein

Das aussterbende Rittertum erschöpfte sich in ununterbrochenen Fehden. Gelang es nicht, den Gegner auf seiner festen Burg zu überrumpeln, so suchte man ihm zu schaden, indem man dessen Zinsdörfer ausraubte, die Häuser in Brand steckte und das Vieh forttrieb. Der Bauer war der Rache des Gegners seines Herren ausgesetzt. Ganze Reihen von Dörfern wurden überfallen und, wo es nicht zu riskant war, verschonte man auch die Städte nicht.

Die Verteidigung der Stadt oblag allen freien Bürgern. Die Organisation der Bürgerschützen lag in den Händen der Stadtverwaltung. In Holzminden war die ganze Bürgerschaft in zwölf Rotten eingeteilt, jede Rotte hatte als Führer ihren Rottmeister, die dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt unterstanden. Die eigentliche Wehrhoheit gehörte dem Landesherren.

In den Zeiten des Faustrechtes am Ausgang des 15. Jahrhunderts konnte eine Stadt nur ungeschoren bleiben, wenn sie ihre Stadtbefestigungen in guter Ordnung hielt und hinter ihr eine zahlenmäßig starke und gut ausgerüstete Schar von Bürgerschützen als Abschreckung stand. Die Bürgerschützen werden in dieser wirren Zeit wohl die zahlenmäßig größte Höhe erreicht haben, da jeder waffenfähige Bürger schon beim Erbhuldigungseid sich zur Verteidigung verpflichten mußte.

Wenn Angriffe auf Holzminden aus dieser Zeit auch nicht überliefert sind, so wissen wir doch, daß auf den Straßen vor der Stadt die größte Unsicherheit herrschte. Das Stammhaus der Grafen von Everstein auf dem in Sichtweite gelegenen Burgberg war in braunschweigischen Besitz übergegangen. Auf der Burg saß ein Sohn des Herzogs Wilhelm, der ein reines Raubritterleben führende Friedrich der Unruhige. Kaufleute reisten nur noch in geschlossenen Kaufmannszügen, die von Bewaffneten von Stadt zu Stadt begleitet wurden. Urkundlich nachgewiesen ist, daß Friedrich die Kaufmannszüge aus Holzminden 1465 überfiel und das geraubte Gut auf den Everstein brachte. Mit seinen böhmischen Söldnern überfiel Friedrich viele Dörfer und plünderte sie aus. Gegen die alles verheerenden Raubzüge Friedrichs hatten sich schließlich die Hansestädte Einbeck, Northeim sowie Hildesheim zusammengeschlossen und verwüsteten nun ihrerseits das Land so, daß der regierende Herzog 40 000 Gulden Schaden hatte. Darauf bereinigte der Herzog diesen Unruheherd auf dem Everstein derart, daß er Friedrich den Unruhigen gefangennahm und den Abt von Amelungsborn 1493 beauftragte, die Burg auf dem Everstein bis auf die Grundmauern abzureißen.

Der Überfall auf Bevern wurde von marodierenden Bauern aus Dassel durchgeführt, doch der Vergeltungsschlag kam durch eine wohlgeordnete und gutgeführte wehrhafte Bürgerschaft, die nur mit Zustimmung ihrer Stadtverwaltung ausziehen konnte und im Sinne ihres Herzogs handelte.

Wir finden also bereits 1519 in Holzminden eine wehrhafte Bürgerschaft, die durch städtische Verordnungen eingeteilt und durch Vorgesetzte geführt wird, die sicher ihre Übungen im Gebrauch der Waffen abhielten, die vielleicht auch mit einem Wettbewerbsfest (Schüttenhof) verbunden war.

Quellen:
Paul Reese - "Holzmindener Stadt- und Schützengeschichte" ©1968

Bernd Meyer - Überarbeitung von 2008

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